Dienstag, 5.3. 9:00 Besuch der Riwaq Stiftung, Ramallah, Stadtteil El-Bireh

Khaldun Bschara

  • Ziel von Riwaq (benannt nach den traditionellen Steinbögen in den Eingängen) – siehe http://www.riwaq.org/ – ist der Erhalt bzw. die Restaurierung von traditionellen/historischen Bauten – was lange Zeit keine Priorität in Palästina hatte.
  • 1994 gegründet von Architekten und Bauingenieuren. Wollten Orte und Baukultur vor der Zerstörung durch Gewalt und Migration schützen.
  • Grundlage dieser Arbeit ist die umfangreiche Untersuchung „The Register for Historic Buildings“ in Palästina – siehe http://riwaqregister.org – bis 2004 50.000 Gebäude erfasst. Die Hälfte war in schlechtem Zustand, überwiegend verlassen, wurden nicht mehr den modernen Ansprüchen gerecht. Traditionelle Baustruktur: Tiere im Erdgeschoss, Wohnbereich darüber.
  • Riwaq setzt auf traditionelle Materialen und Bautechniken.
  • Im Rahmen des Programms „Job Creation Through Restoration“ wurden zwischen 2001 und 2013 Arbeitsplätze im Umfang von 250.000 Arbeitstagen generiert.
  • Erkundigt sich nach den „most shocking“ Eindrücken, die wir aufgesammelt haben, was wir für persönliche Eindrücke von den bisherigen Begegnungen mit Palästinenser*innen gehabt haben.
  • Berichtet über die Bauhistorie, Leute verlassen die alten Gebäude, um moderne neue zu bauen – „We are living in an era of consumtion“.
  • Israelische Besatzung ist allgegenwärtig, Zonen A-C, A: 16-17%, dort kann gebaut werden, B: Nur Administration, Polizei ist israelisch, C ist 60%, dort kann nicht gebaut werden. D.h. nur 2000 km², wo gebaut werden kann.
  • Geburtenrate sinkt zwar auf 3, aber ist immer noch hoch, daher viel Bedarf an neuem Wohnraum. Ramallah hat nachts 40000 registrierte Einwohner, tagsüber aber ein vielfaches davon tagsüber (Arbeit).
  • Es fehlt ein verfasstes / geschütztes Erbschaftsrecht. Lediglich alles, was vor 1917 (Kolonialzeit) gebaut wurde, ist geschützt. Ramallah hat die höchsten QM-Preise in der Welt. Das Gebäude von Riwaq ist 4 Mio $ wert. Allerdings ist nur ein kleiner Teil der palästinensischen Gesellschaft reich – 3-4%. Die Mittelklasse ist sehr klein, nicht formal (wie in Europa) definiert – vielleicht 5-10%. Alle Ressourcen müssen in Israel gekauft werden, mit hohen Aufschlägen – in einem Land mit wenig Wirtschaftsleistung.
  • „We start to make examples“, viele glauben, es ist billiger, neu zu bauen als zu restaurieren – Überzeugung, dass es umgekehrt ist – billige Arbeitskräfte, weniger Umlagen für Versicherung. Auch in Israel wird mit palästinensischen Arbeitskräften gebaut. Aus Israel kommen eher die ausgebildeten Fachleute.
  • In den letzten 20 Jahren wuchs die Anzahl der Siedler auf 600 000. Palästinenser (wie auch Beduinen, selbst mit israelischem Pass) sind von zentralen Ressourcen wie Schnellstraßen ausgeschlossen. Weltweit gibt es insgesamt etwa 12 Millionen Palästinenser.
  • Bericht von israelischen Polizeiübergriffen in Zone A. Palästinensische Gebäude innerhalb von Siedlungen („bottleneck“). Politische und ökonomische Eliten wachsen in Palästina zusammen. Israel investiert 4-5 Milliarden $ in Waffen. Würden nur 10% davon in konstruktive Aufgaben investiert, würde das das Palästinaproblem lösen.
  • Restaurierung macht ökonomisch Sinn. 8-10 Gebäude im Jahr, daher ab 2005 neues Programm, in größeren Einheiten restaurieren in 50 Ortschaften – die ganze Infrastruktur. Dann Übergang „Cluster-Villages“ in Angriff nehmen. Verbindungen von Dörfern stärken, auch Orte im Umfeld von Jerusalem. Häufig wird im Umfeld von Siedlungen auch nur innen restauriert, um nach außen keine Veränderungen sichtbar zu machen. Palästinenser bauen Höhlen, um ihre Wasserreservoire zu schützen.
  • Vor Oslo war Landwirtschaft 30% vom GDP (Bruttoinlandsprodukt), nun 10% wegen Wassermangel – Wettbewerbsnachteil. Dagegen werden umweltschädliche Produktionen (z.B. von Steinen, Chemikalien) von Israel nach Westbank verlagert.
  • Immobilienpreise sind in den letzten 20 Jahren auf das 20-Fache gestiegen. Verkäufe bringen hohe Gewinne, die Palästinensern eine Existenz in den USA ermöglichen.